Heilpflanze Hafer

Bis zum 20. Jahrhundert war der Hafer eine der wichtigsten Getreidearten in Deutschland und wurde nicht nur als Nutzpflanze geschätzt, sondern auch als Heilpflanze eingesetzt. Dabei findet sowohl das gesunde und ballaststoffreiche Korn als auch das Hafergras bzw. -stroh Verwendung.

Äußerlich hilft das Hafergras bzw. -stroh bei Verletzungen und Juckreiz, während es innerlich beruhigt. Das Korn eignet sich dagegen hervorragend für eine schonende Kost und die Diabetikerernährung.

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Die wichtigsten Fakten über den Echten Hafer

Bereits die Germanen schätzten den Hafer als Nahrungsmittel. Deshalb wurden sie von den Römern auch verächtlich als 'Haferfresser' bezeichnet. Heutzutage findet vor allem der Saat-Hafer als Futtermittel für Tiere sowie als Nahrungsmittel in Form von Haferflocken Verwendung. Zudem werden in der Medizin verschiedene Extrakte aus Hafer gewonnen.

Wissenschaftlicher Name

Der Echte Hafer ist in der Wissenschaft unter dem Namen Avena sativa bekannt.

Volkstümliche Namen

Im Volksmund ist der Echte Hafer auch unter dem Namen Saat-Hafer bekannt.

Gattung / Pflanzenfamilie

Der Echte Hafer gehört innerhalb der Familie der Süßgräser (Poaceae) zur Unterfamilie der Pooideae und zur Gattung Hafer (Avena).

Die Heilwirkung des Echten Hafers

Die Heilpflanze wirkt:

Inhaltsstoffe

Abhängig von Sorte und Anbaubedingungen sind im Hafer unterschiedliche Mengen an Inhaltsstoffen enthalten.

Durchschnittlich findet man pro 100 g folgende Wirkstoffe in der Heilpflanze:

Die Mineralstoffe enthalten wiederum folgende Wirkstoffe:

Zudem enthält der Hafer essentielle und semi-essentielle Aminosäuren wie:

  • 1020 mg Leucin
  • 850 mg Arginin
  • 790 mg Valin
  • 700 mg Phenylalanin
  • 560 mg Isoleucin
  • 550 mg Lysin
  • 490 mg Threonin
  • 450 mg Tyrosin
  • 270 mg Histidin
  • 230 mg Methionin

sowie:

  • Phytosterine
  • Alkaloide
  • Avenanthramide
  • Kieselsäure
  • Linolsäure und
  • etwa 4,5 Prozent β-Glucan wie Cellulose und Lichenin

Anwendung des Echten Hafers

Äußerliche Anwendung

Grünes Haferkraut und Haferstroh

Das grüne Haferkraut sowie das Haferstroh werden gern in der Naturheilkunde verwendet und zum Beispiel zum Bereiten von Haferstrohbädern genutzt. Diese Haferstrohbäder helfen bei Hautverletzungen und wirken juckreizstillend.

Auch verschiedene Kosmetikartikel enthalten Hafer, um trockene und gereizte Haut zu beruhigen sowie die Haarstruktur zu stärken.

Innerliche Anwendung

Dem Hafer werden eine Reihe positiver Effekte zugeschrieben. Produkte aus den Körnern sind sehr bekömmlich und besitzen positive Effekte auf den Cholesterin- sowie den Blutzuckerspiegel.

Sie können durch den hohen Anteil an Ballaststoffen aber auch das Risiko für Bluthochdruck, koronare Herzkrankheiten und Fettstoffwechselstörungen reduzieren.

Die in der Heilpflanze enthaltenen Avenathramide wirken zudem reizmildernd, entzündungshemmend und juckreizstillend.

Tee aus Haferkraut

Das Haferkraut wird nicht nur äußerlich genutzt, sondern kommt auch innerlich in Form von Tee zur Anwendung. So hilft es bei nervösen Einschlafstörungen, Harngrieß und rheumatischen Erkrankungen.

Fertigpräparate

In der Apotheke findet man auch Medikamente, die Hafer enthalten und gegen nervöse Unruhe wirken.

Diabetikerernährung

Produkte aus Hafer spielen bei der Diabetestherapie und Diabetikerernährung eine wichtige Rolle. Sie verzögern den Anstieg des Blutzuckerspiegels und sorgen damit für eine geringere Insulinausschüttung.

Mediziner und Diabetesberater raten daher zu sogenannten 'Hafertagen', bei denen zwei bis drei Tage lang eine spezielle haferbetonte Kost eingenommen wird. Wissenschaftliche Studien sowie die Erfahrungen aus der Praxis zeigen eine Reduzierung der Insulinzufuhr nach dieser 'Therapie'.

Regulierung des Verdauungssystems

Der hohe Anteil an Beta-Glucan in der Heilpflanze wirkt sich positiv auf die Verdauungsfunktion aus. Zudem beruhigt die viskose Substanz aus diesen löslichen Ballaststoffen empfindliche Mägen und schützt die Darmwand vor äußeren Reizen.

Die unlöslichen Ballaststoffe wirken dagegen regulierend auf die Verdauungstätigkeit. Zusätzlich sind die Hafereiweiße und -fette leicht verdaulich und bekömmlich.

Aus diesem Grund ist Hafer sowohl bei der Säuglings- und Kleinkindernährung als auch bei der Ernährung bei gastrointestinalen Beschwerden beliebt.

Bei folgenden Leiden hilft der Echte Hafer

innerliche Anwendungäußerliche Anwendung
nervöse EinschlafstörungenHautverletzungen
rheumatische Erkrankungentrockene Haut
Harngrießgereizte Haut
nervöse Unruheschwache Haarstruktur
Diabetes
Verdauungsbeschwerden
Herzerkrankungen

Vorkommen und Sammelzeit des Echten Hafers

Der Hafer zählt zu den ältesten Nutzpflanzen und wurde schon vor über 5.000 Jahren nachweislich in Polen angebaut. Bis ins Mittelalter war der Anbau vor allem auf die Regionen nördlich des Mains beschränkt.

Der Hafer blieb bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts nach dem Roggen die wichtigste Getreideart in Deutschland, da er auch bei ungünstigen Witterungsbedingungen und schlechter Nährstoffversorgung stabile Erträge liefert.

Sammelzeit

Die Ernte der Nutz- und Heilpflanze erfolgt ab Mitte August.

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