l-carnitin

L-Carnitin – Die Fakten

  • L-Carnitin ist nicht essentiell und zählt somit nicht zu den Vitaminen, sondern den Vitaminoiden.
  • Der Carnitingehalt im Körper liegt bei circa 20 bis 25 g.
  • Carnitin kommt nur in tierischen Lebensmitteln in nennenswerten Mengen vor.
  • Es ist wichtig für den Energiestoffwechsel, das Immunsystem, bestimmte Entgiftungsprozesse sowie als Antioxidans.

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L-Carnitin – Was versteht man darunter?

L-Carnitin ist kein Vitamin im eigentlichen Sinne: Der unter Sportlern sehr beliebte Vitalstoff zählt zu den Vitaminoiden, die auch als Non-Vitamine oder Pseudo-Vitamine bezeichnet werden.

Vitaminoide weisen hinsichtlich ihrer Struktur und Funktion einen vitaminähnlichen Charakter auf, sie sind für den Menschen allerdings nicht essentiell.

Carnitin als ein Stellvertreter der Vitaminoide muss dementsprechend nicht zwingend über die Nahrung aufgenommen werden, sondern wird im Bedarfsfall vom menschlichen Organismus selbstständig synthetisiert.

L-Carnitin – nach heutigem Erkenntnisstand – ist eine alkylierte Hydroxycarbonsäure. Diese weist eine ähnliche Struktur auf wie Aminosäuren, ist wasserlöslich und schwefelhaltig.

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Der Begriff der Pseudo-Vitamine (Vitaminoide, Non-Vitamine) wurde eingeführt bzw. musste nachträglich eingeführt werden, da am Anfang der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Vitaminen noch keine exakte Definition dieser Stoffgruppe vorlag.

Somit wurden einige Substanzen frühzeitig als Vitamine deklariert, die den später festgesetzten Vitaminkriterien, beispielsweise dem Kriterium der Essentialität, nicht entsprechen konnten. Ein weiterer Grund für Fehlzuordnungen rührte daher, dass man gerade zu Beginn der Vitaminforschung die Wirkungsweise bestimmter Substanzen im Körper nicht oder nicht ausreichend untersuchte.

Es konnte dementsprechend vorkommen, dass positive Vitaminurteile getroffen wurden, ohne dass ein Stoff überhaupt typische Vitaminwirkungen im Körper erfüllte.

Das meiste L-Carnitin (98 %) befindet sich in der Herz- und Skelettmuskulatur des Menschen, der Rest in Leber und Niere.

L-Carnitin – Was bewirkt der Stoff im Körper?

Carnitin übernimmt im Körper verschiedene wichtige Funktionen.

Eine tragende Rolle spielt Carnitin im Energiestoffwechsel, denn hier fungiert es als sogenannte Carrier-Substanz (als Trägermolekül) für die langkettigen Fettsäuren, die zur Energiegewinnung in die Mitochondrien gelangen müssen.

Beim "Wiederausritt" aus den Mitochondrien erfüllt Carnitin eine weitere wichtige Funktion: Es entfernt bestimmte störende Nebenprodukte des mitochondrialen Stoffwechsels – beispielsweise Acrylreste – und erbringt damit eine Art Entgiftungsleistung.

Carnitin ist aber nicht nur für den Energiestoffwechsel und die Entgiftung von besonderer Relevanz, sondern verfügt darüber hinaus über eine antioxidative Wirkung und nimmt Einfluss auf das Immunsystem.

L-Carnitin in Lebensmitteln

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Carnitin ist zwar ein körpereigener Stoff, kann allerdings auch über die Nahrung aufgenommen werden.

Die beste Quelle für L-Carnitin stellen tierische Lebensmittel dar. Pflanzliche Lebensmittel hingegen enthalten sehr viel weniger Carnitin und eignen sich daher nur sehr beschränkt als Lieferanten.

Fleisch, insbesondere Muskelfleisch (Lamm, Wild, Rind), gilt als eine der besten Quellen.

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  • Da Carnitin vermehrt in tierischen Lebensmitteln enthalten ist, kann eine vegane, das heißt rein pflanzliche Ernährungsweise, immer dann problematisch werden, wenn die körpereigene Carnitin-Produktion nicht richtig funktioniert. Müssen sich Patienten zum Beispiel Dialysen oder Chemotherapien unterziehen oder liegt eine schwere Lebererkrankung vor, ist eine gestörte L-Carnitin-Eigensynthese eine nicht seltene Folge/ Begleiterscheinung.

L-Carnitin im Überblick

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Die (Bio-)Synthese des Pseudo-Vitamins

Es gibt zwei Möglichkeiten für den menschlichen Organismus an Carnitin zu gelangen:

Zum Einen kann er den Stoff exogen, also von außen, über bestimmte tierische Lebensmittel beziehen oder aber er synthetisiert ihn unabhängig von der Nahrungsmittelzufuhr aus bereits im Körper befindlichen Aminosäuren.

Bei der zweiten Variante, der endogenen Eigensynthese oder auch Biosynthese von Carnitin, werden die beiden Aminosäuren L-Methionin und L-Lysin mithilfe von Vitamin C, B6 sowie Niacin und dem Spurenelement Eisen in der Leber, dem Gehirn sowie in den Nieren zu Carnitin.

L-Carnitin-Synthese – Die zwei Wege im Überblick:

  • L-Carnitin-Synthese via exogener Stoffzufuhr (Quelle = Carnitin-haltige Lebensmittel)
  • L-Carnitin-Synthese aus körpereigenen Substanzen bzw. via endogener Biosynthese (Quelle = Aminosäuren L-Methionin und L-Lysin + Vitamin C, B6, Niacin und Eisen)
l-carnitin-tagesbedarf
Wie viel benötigt der Körper wirklich?

Da Carnitin nicht unbedingt über die Nahrung aufgenommen werden muss und im Organismus der meisten Menschen ausreichend selbst produziert wird, gibt es keine allgemeinen Zufuhrempfehlungen.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. führt aus diesem Grund keine Referenzwerte für L-Carnitin an.

Der gesunde menschliche Organismus kann seinen gesamten täglichen L-Carnitin-Bedarf, der circa 16-18 mg beträgt, selbstständig endogen produzieren.

Bei einer typischen mischköstlichen Ernährungsweise allerdings werden bereits circa 32 mg L-Carnitin/Tag extern aufgenommen.

Dennoch sollte beachtet werden, dass es durchaus Faktoren gibt, die eine erhöhte exogene Zufuhr von Carnitin erforderlich machen können.

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Was passiert bei einem Mangel?

Ein Carnitin-Mangel kann sowohl Folge einer genetisch bedingten Störung (primäre Störung) oder aber bestimmter Erkrankungen (sekundäre Störung) sein.

Bei einer primären Störung können unterschiedliche Syntheseprozesse betroffen sein: Einerseits kann die Eigensynthese von Carnitin in der Leber fehlerhaft bzw. unzureichend erfolgen (systemischer Carnitin-Mangel).

Diese primäre, genetische Mangelursache ist am häufigsten zu beobachten.

Darüber hinaus zählt die gesteigerte Ausscheidung von L-Carnitin über die Niere bzw. den Urin zu den primären Störungen und auch ein myopathischer Carnitin-Mangel, bei dem die Serumkonzentration von L-Carnitin zwar im Normalbereich liegt, die Konzentration in den Muskeln allerdings mangelhaft ist, ist typisch für primäre Störungen.

Sekundäre Störungen treten im Allgemeinen häufiger auf. Typische Erkrankungen sind: Leberzirrhose, Niereninsuffizienz , Diabetes mellitus sowie krankheitsbedingter metabolischer Stress.

Zu den Risikogruppen für einen Mangel an L-Carnitin zählen:

  • Dialysepatienten
  • Säuglinge, die auf Sojabasis ernährt werden
  • Früh- und Neugeborene, die total parenteral, das heißt künstlich intravenös ernährt werden
  • Vegetarier und Veganer
Dialysepatienten:

Bei der Dialyse kann der Carnitinwert im Serum auf unter 50 % des Sollwertes sinken, sodass auch die normale exogene Versorgung über Carnitin-haltige Lebensmittel nicht mehr ausreicht, um einen Mangel zu verhindern.

Säuglinge:

Säuglinge zählen nur dann zur Risikogruppe, wenn bei ihrer Ernährung nicht auf Mutter- und Kuhmilch, sondern auf Milchprodukte mit Sojabasis zurückgegriffen wird.

Früh- und Neugeborene:

Werden Früh- oder Neugeborene intravenös künstlich ernährt, kann auch hier ein L-Carnitin-Mangel auftreten, da die Fähigkeit zur eigenen Carnitin-Produktion sowie die Reabsorption über die Nieren noch nicht vollständig entwickelt sind.

Vegetarier und Veganer:

Um Carnitin endogen herstellen zu können, müssen bestimmte Bausteine und Co-Faktoren ( L-Methionin und L-Lysin + Vitamin C, B6, Niacin und Eisen) ausreichend vorhanden sein.

Wird über die Nahrung beispielsweise zu wenig Eisen aufgenommen, kann dieses auch einen L-Carnitin-Mangel hervorrufen.

Da Vegetarier und Veganer aufgrund ihres Verzichtes auf alle oder viele tierische Produkte häufig nur über wenig Eisen und L-Lysin verfügen und darüber hinaus nahezu kein Carnitin aus Lebensmittel beziehen können, zählen auch sie besonders zur Risikogruppe für einen Carnitin-Mangel.

Allerdings gibt es in diesem Zusammenhang auch die Beobachtung, dass die Eigensynthese sowie die individuelle Ausscheidungssteuerung eine geringe exogene Carnitin-Aufnahme eigenständig ausgleichen können, sodass ein Mangel bei Vegetariern und Veganern nicht zwingend auftreten muss.

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Ist eine Überversorgung möglich?

Bei einer üblichen mischköstlichen Ernährungsweise werden bereits L-Carnitin-Mengen aufgenommen, die über die tägliche Bedarfsgrenze hinausreichen.

Im Regelfall werden überschüssige Stoffmengen dementsprechend über die Niere ausgeschieden.

Eine toxische Wirkung von Carnitin konnte bislang nicht beobachtet werden, allerdings kann die Einnahme von L-Carnitin in höheren Dosierungen Blähungen und Durchfall hervorrufen.

Da bislang nicht ausreichend geklärt ist, ob die hochdosierte Supplementierung von L-Carnitin die endogene, also körpereigene, Synthese des Stoffes negativ beeinflusst, sollte eine langfristige Einnahme von Präparaten gut überlegt sein.

Auch von Sportlern, die synthetisches Carnitin zu Trainingszwecken häufig aufgrund von verschiedenen Einzelstudien dennoch einnehmen, sollte beachtet werden, dass Einnahmepausen eingelegt werden.

Sportler, unter denen L-Carnitin häufig als Nichtdrogen-Dopingmittel angewendet wird, sollten ebenfalls beachten, dass Einnahmepausen eingelegt werden.

Häufig gestellte Fragen

Ein Mangel an Carnitin sollte vermieden bzw. ausgeglichen werden. Wann jedoch eine Supplementierung (durch synthetisches Carnitin) sinnvoll oder erforderlich ist, wird in der Wissenschaft vielfach diskutiert.

Carnitin leistet einen wichtigen Beitrag im Fett- bzw. Energiestoffwechsel und gilt daher gemeinhin als Fatburner. Dass er seinem Ruf jedoch nicht gänzlich gerecht werden kann, lässt sich damit erklären, dass er sich dem Ziel einer gesteigerten Fettverbrennung (zu Abnehm- oder Leistungssteigerungszwecken) nur in Kombination mit einem geeigneten Trainingsprogramm nähern kann.

Im Umkehrschluss bedeutet das: Nur wenn Training und L-Carnitin-Zufuhr (Dosierungsmenge und Dosierungsdauer) genau aufeinander abgestimmt werden, kann der Fettstoffwechsel zweckdienlich beeinflusst werden.

Andere Experten hingegen schließen einen positiven Effekt der Carnitin-Supplementierung bei Sportlern oder Menschen, die abnehmen wollen, generell aus. Ihnen zufolge erhöht die Supplementierung zwar die Carnitin-Plasmakonzentration, es kann aber nicht im Muskelgewebe angereichert werden und verfehlt somit das Ziel der Leistungssteigerung.

L-Carnitin gilt vor allem unter Sportlern als leistungssteigerndes Nahrungsergänzungsmittel.

Zu den weiteren Anwendungsgebieten von L-Carnitin zählen:

  • Dialyse
  • Chemotherapie
  • Diabetes mellitus
  • Chronische Erschöpfungszustände (infolge von z. B. Tumorerkrankungen)
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Fruchtbarkeitsstörungen des Mannes
  • Chemotherapie
  • Lebererkrankungen

L-Carnitin wurde bereits 1905 entdeckt.

In der Mitte des 20. Jahrhunderts konnte zudem beobachtet werden, dass es das Wachstum bestimmter Käferarten steigert. Der Substanz wurde also Vitamincharakter zugesprochen.

Heutzutage zählt Carnitin zu den typischen Pseudo-Vitaminen, die auch als Non-Vitamine oder Vitaminoide bezeichnet werden. Diese Stoffe erfüllen oft nicht die allgemeingültigen Vitaminkriterien. Im Falle von L-Carnitin fehlt die Eigenschaft der Essentialität, denn auch die Biosynthese von L-Carnitin ist möglich.


Quellen

Kofrányi, Ernst/ Wirths, Willi: Einführung in die Ernährungslehre
Kühne, Petra: Vitamine. Wirkstoffe des Lebendigen
Burgerstein, Uli P.: Handbuch Nährstoffe
Hahn, Andreas/ Ströhle, Alexander/ Wolters, Maike: Ernährung. Physiologische Grundlagen, Prävention, Therapie
Biesalski, Hans Konrad/ Grimm, Peter: Taschenatlas Ernährung
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.:

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