Cholin - der Stoff für Nervensystem und alle Membranen

Cholin auf einen Blick
  • Die vitaminähnliche Substanz ist Baustein der Phospholipide (Lecithine) und ein wichtiger Neurotransmitter.
  • Es findet sich in pflanzlichen und tierischen Quellen, kann aber auch vom Körper selbst hergestellt werden.
  • Der Tagesbedarf von Frauen beträgt 425 mg, Männer benötigen 550 mg.
  • Typische Mangelsymptome sind Fettleber, Wachstumsstörungen und DNA-Schäden.

Cholin – Was ist das?

Cholin zählt nicht zu den klassischen Vitaminen, vielmehr gilt es heute als vitaminähnliche Substanz, die für den menschlichen Organismus jedoch ähnlich relevant ist.

Ungeachtet dessen, ob der Mikronährstoff als essentiell oder als nicht essentiell einzustufen ist, handelt es sich bei dem Vitalstoff genau wie bei Thiamin (Vitamin B1) oder Cobalamin (Vitamin B12) um ein Amin (und strukturell zudem um einen primären Alkohol).

Biochemisch steht Cholin in einem engen Bezug zu den B-Vitaminen.

Der essentielle Nährstoff kann sehr unterschiedlich eingesetzt werden und dient nicht nur als Teil der Ernährung. Auch wenn dieser in Form von Futtermittel, Nahrungsergänzungsmittel und gegen Leberschäden angeboten wird, kommt er ebenso als Reinigungsmittel in die Regale.

Eine weitere Verwendung findet der Stoff in der Pflanzenaufzucht und Pflege. Die Gewinnung erfolgt meist mittels Synthese, die den Stoff aus dem Lebensmittel filtert.

Alles zu Cholin

Alles zu Cholin

Die Funktionsweise von Cholin

Die meisten Menschen sind der Überzeugung, dass mit Eintritt in ein höheres Alter bestimmte Körperfunktionen nicht mehr vollfunktionsfähig arbeiten. Das stimmt so nicht ganz. Natürlich verändert sich der Körper im Alter und viele Dinge, die in jungen Jahren selbstverständlich sind, sind im Alter einfach schwieriger. Aber jeder Mensch hat es in seiner Hand, ob er im Alter noch fit und gesund oder eher gebrechlich und schwach ist.

Besonders bei der Leistung des Gedächtnisses lassen sich viele vorbeugenden Maßnahmen ergreifen, um im Alter fit zu sein. Cholin ist hier von immenser Bedeutung. Menschen, die an einem zu hohen Cholesterinspiegel sowie unter Vergesslichkeit leiden sollten sich für den Nährstoff interessieren.

Die Wirkung von Cholin ist recht umfangreich. Der Nährstoff wird im Körper in Acetylcholin umgewandelt und dieser fungiert als Neurotransmitter. Das bedeutet, er überträgt Nervensignale. Eine weitere wichtige Arbeit leistet Cholin in der Leber.

Der Mikronährstoff ist für den Abtransport der Fettsäuren, an die benötigte Stelle im Köper zuständig. Zudem hat Cholin eine Wirkung auf den Stoffwechsel und ist bei der Synthese verschiedener Enzyme und Hormone beteiligt.

Die vitaminähnliche Substanz ist als ein Baustein der wichtigen Phospholipide (Lecithine) für den menschlichen Organismus – genauer betrachtet für alle Membranen und den menschlichen Nervenstoffwechsel – von großer Bedeutung.

Unabhängig davon, ob das Vitamin durch Lebensmittel aufgenommen wird oder synthetischen Ursprungs ist – die Wirkung zeigt sich stets in der Verdauung. Durch die Umwandlung bestimmter Inhaltsstoffe kann es immer wieder zu Cholin oder weiteren Stoffen kommen.

Dies zeigt sich beispielsweise bei Acetylcholin, wobei es sich um einen Neurotransmitter handelt. Im Fettstoffwechsel ist der Inhaltsstoff ebenso nicht mehr wegzudenken. Des Weiteren zeigt er sich bei Entgiftungen und metabolischen Reaktionen als äußerst wichtig.

Die wichtigsten Funktionen von Cholin sind:

  • Bildung des wichtigen Neurotransmitters Acetylcholin (Vermittler bei Nervenprozessen, Übertragung von Nervenimpulsen)
  • Beteiligung am Aufbau der Phospholipide (strukturgebendes Element in allen Zellmembranen)
  • Überträger von Methylgruppen (z. B. notwendig für die Reparatur oxidativer DNA-Schäden)
  • Transport der Triglyceride sowie weiterer Fette von der Leber in das Gewebe

Cholin in Lebensmitteln

Cholin / Vitamin B4 in Lebensmitteln

Der essentielle, wasserlösliche Nährstoff ist in einer Vielzahl von Lebensmitteln enthalten. Gehäuft wird der Nährstoff auch zu den B-Vitaminen gerechnet.

Um den menschlichen Organismus stets mit genügend Cholin versorgen zu können, muss das essentielle Nährmittel durch die Zufuhr von Lebensmittel aufgenommen werden.

Ein Großteil des mit den Nahrungsmitteln zugeführten Vitamins wird im Organismus des Menschen in Lecithin umgewandelt.

Lebensmittel mit einem hohen Cholingehalt

Lebensmittel je 100 gCholingehalt in mg
Eier251
Eigelb680
Getrocknete Sojabohnen116
Hähnchenleber290
Rinderleber418
Schinkenspeck125
Schweinefleisch103
Weizenkeime152

Darüber hinaus enthalten auch Lebensmittel wie beispielsweise

hohe Mengen an Cholin, so dass selbst Personen, die sich vegan ernähren keinen Cholinmangel erleiden müssen.

Wie äußert sich ein Cholin Mangel?

Die körpereigene Produktion reicht häufig nicht aus, um den täglichen Bedarf an Cholin zu decken.

Aus diesem Grund wird heute vermehrt diskutiert, ob der Vitalstoff wieder als essentielle Substanz gehandhabt werden sollte.

Zu den typischen Mangelsymptomen zählen:

  • Fettleber (Fetteinlagerung in der Leber)
  • DNA-Schäden
  • Entzündungen
  • gestörte Nierenfunktion
  • gestörter Carnitin-Metabolismus
  • Wachstumsstörungen
  • Störungen der Muskelfunktion
  • beim Fötus: erhöhtes Risiko für Neuralrohr- oder Herzdefekte

Risikogruppen:

  • Personen, die an einem Vitamin-B-Mangel leiden
  • chronisch Erkrankte (AIDS, entzündliche Darmerkrankungen, Arthritis, Alkoholiker, Verdauungsstörungen beispielsweise durch Bauchspeicheldrüsenstörungen)
  • Personen, die sich im Wachstum befinden
  • Schwangere und stillende Frauen
  • Ältere Menschen

Wie viel Cholin benötigt man täglich?

Einige Studien konnten zeigen, dass insbesondere bei Frauen und älteren Personen eine ausreichende Eigensynthese von Cholin scheinbar nicht gewährleistet ist.

Daher wird überlegt, den Mikronährstoff wieder zu den essentiellen Vitaminen zu zählen, um dadurch ein neues Bewusstsein für die Wichtigkeit des Stoffes zu schaffen.

Vom US-amerikanischen Food and Nutrition Board (FNB) wird für erwachsene Frauen und Männer eine jeweils unterschiedlich hohe Tageszufuhr empfohlen.

  • Frauen: 425 mg/Tag
  • Männer: 550 mg/Tag

Was sind Symptome und Folgen bei zu viel Cholin?

Nicht nur eine Unterversorgung an Cholin führt zu bestimmten Mangelsymptomen, auch eine Überversorgung hat negative Auswirkungen auf die Gesundheit.

Eine Verabreichung von ca. 3,5 g des Stoffes hat bereits eine blutdrucksenkende Wirkung.

Nimmt man über einen längeren Zeitraum (mehrere Wochen) höhere Dosen von über 20 g täglich zu sich, können folgende Symptome auftreten:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Schwindel
  • eine nach Fisch riechende Körperausdünstung

Wo wird Cholin angewendet?

Aufgrund der Bedeutung Cholins für Gehirn und Nervensystem wird heute geforscht, ob es sich als ein Wirkstoff für die Behandlung von Demenz und Alzheimer eignet.

Belegt werden konnte bereits, dass die vitaminähnliche Substanz positive Auswirkungen auf die Konzentration und die Leistung des Kurzzeitgedächtnisses hat.

Wann wurde Cholin entdeckt?

Als chemische Substanz war Cholin lange bekannt. Dennoch: Erst 1932 zählte man es zunächst zu den Nahrungsfaktoren. Später, im Jahr 1998, wird es darüber hinaus als lebensnotwendiger - also essentieller - Nährstoff anerkannt.

Aus dieser Zeit rührt die heute nicht mehr gängige Bezeichnung als Vitamin B4.

Aufgrund der kritisch zu bewertenden Eigensynthese von Cholin wird heutzutage erneut diskutiert, ob der Stoff - so wie im Jahr 1998 noch üblich - wieder als essentiell gelten sollte.

Was sind Amine?

Amine setzen sich unter anderem aus Aminosäuren zusammen. So ist für die Bildung des vitaminähnlichen Stoffes neben Vitamin B12 einerseits Vitamin B9 (Folsäure) und andererseits die essentielle Aminosäure Methionin notwendig.

Diese Baustoffe müssen für die körpereigene Cholin-Herstellung im Überschuss vorliegen und dürfen dementsprechend nicht in die Proteinsynthese einfließen.

FAQ Question 3
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Quellen:

  • Burgerstein, Uli P./ Schurgast, Hugo/ Zimmermann, Michael: Handbuch Nährstoffe >>
  • Biesalski, Hans Konrad/ Grimm, Peter: Taschenatlas Ernährung >>
  • Hahn, Andreas/ Ströhle, Alexander/ Wolters, Maike: Ernährung. Physiologische Grundlagen, Prävention, Therapie
  • Kühne, Petra: Vitamine. Wirkstoffe des Lebendigen