Vitamin B1 - Der Vitalstoff für die Nerven

Vitamin B1

Vitamin B1 - Die Fakten

  • Vitamin B1 (Thiamin) zählt zu den B-Vitaminen.
  • Es ist vor allem für das Nervensystem sowie die Energiegewinnung von großer Bedeutung.
  • Sowohl pflanzliche als auch tierische Produkte enthalten Thiamin.
  • Die typische Thiaminmangelkrankheit heißt Beri-Beri.

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Vitamin B1 - Was ist das?

Vitamin B1 - auch bekannt als Thiamin - wurde 1926 als erster Vertreter der B-Vitamine isoliert.

Der Vitalstoff gilt heute als das Nervenvitamin. Ein dauerhafter Thiaminmangel führt zur bekannten Beri-Beri Erkrankung, bei der es vor allem zu kardiovaskulären Störungen (Störungen des Herz-Kreislauf-Systems) und Nervenschädigungen kommt.

Vitamin B1 zählt zu den wasserlöslichen Nährstoffen und weist eine dementsprechend geringe Speicherfähigkeit auf: Etwa 30 mg Thiamin können im Körper gespeichert werden - 40 % davon in der Muskulatur.

Sowohl auf Hitze als auch auf UV-Licht, Sauerstoff und Laugen reagiert das Nervenvitamin sehr empfindlich. Da es zudem zu den wasserlöslichen Substanzen zählt, treten auch beim Kochen Thiaminverluste von etwa 30 % auf.

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Thiamin fungiert als Oberbegriff für verschiedene Vitaminanaloga (= Verbindungen mit Thiaminwirkung).

Hierzu zählen zum Beispiel:

  • Thiaminmonophosphat (TMP)
  • Thiamindiphosphat (TDP)
  • Thiamintriphosphat (TTP)

Wie alle Vitamine der B-Gruppe ist es Bestandteil wichtiger Coenzyme.

Das Vitamin zählt chemisch betrachtet zu den Aminen, da es Stickstoff in einer Ringverbindung enthält.

Eine Besonderheit von Thiamin ist der charakteristische Schwefelgehalt (Thio = Schwefel), der sonst nur bei Biotin zu beobachten ist.

Vitamin B1 - Wirkung und Funktion

Thiamin ist nicht nur für die individuelle Energiegewinnung (vor allem aus Glucose) essentiell, es spielt darüber hinaus eine entscheidende Rolle für das Nervensystem.

Überblick: Funktion und Wirkung

  • als Coenzym TDP ist Vitamin B1 beteiligt an der Decarboxylierung von alpha-Ketosäuren im Zellstoffwechsel
  • als Bestandteil der Zellwände von Nervenzellen ist es beteiligt an der Übermittlung von Nervenimpulsen an Gehirn und die peripheren Nervenzellen
  • Thiamin ist notwendig für die Bildung von Kollagen (= Aufbauprotein des Körpers)
  • in der aktiven Form TPP (Thiaminpyrophosphat) spielt es eine noch ungeklärte Rolle im Nervensystem

Vitamin B1 in Lebensmitteln

vitamin-b1-lebensmittel

Thiamin wird von Pflanzen, Algen, Bakterien sowie einigen Pilzen synthetisiert. Es ist demzufolge sowohl in pflanzlichen als auch in tierischen Lebensmitteln zu finden.

Aber: Beide Quellen weisen unterschiedliche Vitaminformen und -konzentrationen auf.

Produkte pflanzlicher Herkunft beinhalten Thiamin vor allem in freier Form, in tierischen Produkten überwiegt die gebundene Vitaminform (Thiamindiphosphat). Lebensmittel, die sehr kohlenhydratreich sind, enthalten besonders viel Vitamin B1. Ebenso fettarmes Fleisch, Fleischwaren und fettarmer Fisch.

Der Vitalstoff kann vom menschlichen Organismus nicht selbstständig hergestellt und darüber hinaus nur geringfügig gespeichert werden, sodass eine regelmäßige exogene Zufuhr über verschiedene Nahrungsmittel erforderlich ist.


Gute pflanzliche Quellen
Gute tierische Quellen
  • einige Fischsorten wie z.B. Scholle und Thunfisch
  • Leber
  • Muskelfleisch (vor allem vom Schwein)
  • Vitamin B1 ist vor allem in den Keimen und der Schale von Getreide zu finden. Es empfiehlt sich also, möglichst viele Vollkornprodukte in den persönlichen Speiseplan zu integrieren und zusätzlich den Konsum von beispielsweise hellen Backwaren oder weißem Reis (enthält nur noch 1/100 des ursprünglichen Thiamingehalts) einzuschränken.

Vitamin B1 Hemmstoffe

Vitamin B1 kann durch die Zufuhr anderer Stoffe deaktiviert werden.

Hierzu zählen vor allem:

  • Kaffee
  • schwarzer und grüner Tee
  • Sulfite (werden zur Konservierung, z. B. bei Trockenobst, eingesetzt)
  • Natron
  • Alkohol
  • roher Fisch

Eine Deaktivierung des exogen zugeführten Thiamins kann langfristig zur Speicherentleerung und letztlich zur Mangelentstehung führen.

Vitamin B1 im Überblick

b1-tagesbedarf

Der tägliche Bedarf an Vitamin B1 ist abhängig von der individuellen Kohlenhydratzufuhr. Da Kohlenhydrate nur verwertet werden können, wenn ausreichend Thiamin vorhanden ist, sind beide Stoffe unmittelbar miteinander verknüpft.

Tagesbedarf nach Altersgruppen:

AltersstufeBedarf
Säuglinge bis 4 Monate0,2 mg
Säuglinge 4-12 Monate0,4 mg
Kinder 1-4 Jahre0,6 mg
Kinder 4-7 Jahre0,7 mg
Jungen 7-10 Jahre0,9 mg
Mädchen 7-10 Jahre0,8 mg
Jungen 10-13 Jahre1,0 mg
Mädchen 10-13 Jahre0,9 mg
Jungen 13-15 Jahre1,2 mg
Mädchen 13-15 Jahre1,0 mg
Jungen 15-19 Jahre1,4 mg
Mädchen 15-19 Jahre1,1 mg
Männer 19-25 Jahre1,3 mg
Frauen 19-25 Jahre1,0 mg
Männer 25-51 Jahre1,2 mg
Frauen 25-51 Jahre1,0 mg
Männer 51-65 Jahre1,2 mg
Frauen 51-65 Jahre1,0 mg
Männer über 651,1 mg
Frauen über 651,0 mg
Schwangere im 2. Trimester1,2 mg
Schwangere im 3. Trimester1,3 mg
Stillende1,3 mg

Die Referenzwerte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. basieren auf der Annahme, dass pro 1000 kcal ca. 0,5 mg Vitamin B1 notwendig sind, um allen wichtigen Thiaminwirkungen - insbesondere also der thiaminabhängigen Gewebssättigung und Enzymaktivität - nachzukommen.

  • Um den täglichen Bedarf an Vitamin B1 zu decken, können zum Beispiel 125 g Schweinekotelett und 140 g Erbsen als Mahlzeit in den persönlichen Speiseplan aufgenommen werden.
vitamin-b1-risikogruppen

Bestimmte Personengruppen weisen eine besondere Anfälligkeit für die Entstehung eines Vitamin B1 Mangels auf bzw. haben einen erhöhten Thiaminbedarf.

  • chronische Alkoholiker (Alkohol mindert Thiaminresorption und -umwandlung in die aktive Form TPP)
  • Personen mit bestimmten Vorerkrankungen (zum Beispiel Schilddrüsenüberfunktion, Lebererkrankungen)
  • Menschen, die sich intensiv körperlich betätigen (intensives körperliches Training, schwere körperliche Arbeit)
  • bei Fieber, Stress und Verbrennungen
  • stillende Mütter
  • Personen im Wachstum
  • Personen, die bestimmte Medikamente einnehmen (zum Beispiel Kontrarezeptiva)
  • Personen mit Folsäuremangel (verschlechterte Thiaminaufnahme)
vitamin-b1-mangel

Ein Vitamin B1 Mangel kommt in Deutschland nur selten vor.

Die Mangelsymptome lassen sich hauptsächlich in die Kategorien kardiovaskuläre Schädigungen (= Schädigungen des Herz-Kreislauf-Systems) und Störungen des Nervensystems einsortieren.

Vitamin B1 Mangelsymptome

  • Appetitverlust
  • Verdauungsstörungen
  • Verstopfung
  • erhöhte Schmerzempfindlichkeit
  • Reizbarkeit, Streitsucht
  • Depression
  • geistige Trägheit
  • Lern- und Gedächtnisschwäsche
  • Verwirrtheit
  • Schlaflosigkeit
  • Krämpfe
  • Lähmungen
  • Muskelschwäche (vor allem in den Waden)
  • unkontrollierte Augenbewegungen
  • schwankender Gang
  • Kopfschmerzen
  • Herzvergrößerung
  • Herzversagen
  • Ödem
  • niedriger Blutdruck
  • Kurzatmigkeit
  • geschwächtes Immunsystem
  • gestörte Energie- und Kollagenproduktion
  • schlechte Wundheilung
  • Nervenentzündungen

Ein dauerhafter Vitamin B1 Mangel führt zur Erkrankung an Beri-Beri.

Diese Krankheit tritt vor allem in Entwicklungsländern und Regionen auf, in denen sich überwiegend von poliertem Reis ernährt wird.

3 Formen von Beri-Beri:

  1. feuchte Form (Schädigungen des Herz-Gefäß-Systems, Ödembildung)
  2. trockene Form (Nervenschädigungen)
  3. infantile Form bei Säuglingen, die gestillt werden und deren Mütter einen Thiaminmangel aufweisen (Trinkschwäche, Erbrechen, Herzschwäche)
  • Im Jahr 1897 konnte erstmals beobachtet werden, dass Hühner, die vorwiegend mit poliertem Reis gefüttert wurden, Beri-Beri-Symptome zeigten. Als man anfing diese Hühner ebenfalls mit Reiskleie zu füttern (enthält Thiamin in größeren Mengen), gingen die Symptome zurück.
vitamin-b1-ueberversorgung

Eine Überversorgung sowie eine toxische Wirkung von Vitamin B1 ist bislang nicht bekannt. Da Thiamin nicht im Körper gespeichert werden kann, wird ein möglicher Überschuss über den Urin ausgeschieden.

Studien konnten zeigen, dass auch bei einer bis zu vierwöchigen oralen Aufnahme von täglich 500 mg Vitamin B1, keine negativen Folgen zu erwarten sind.

Die intravenöse Verabreichung hingegen führte vereinzelt zu schweren allergischen Reaktionen.

Dosen von 50 mg/Tag gelten als in jedem Fall sicher.

Häufig gestellte Fragen

Thiamin kann im Dünndarm nur in seiner freien Form absorbiert werden.

Im Umkehrschluss bedeutet dies: Gebundenes Vitamin B1 muss - bevor es absorbiert werden kann - zunächst aufgespalten bzw. freigesetzt werden. Hierzu werden bestimmte Phosphatasen benötigt.

Über die Mukosazelle gelangt das freigesetzte Thiamin in den weiteren Stoffwechsel.

Beim parboiled Verfahren wird der Reis vor dem Verzehr mit Dampf behandelt, sodass die in den Randschichten befindlichen Vitamine und Mineralstoffe in den Reiskorn übergehen können.

Anschließend wird der Reis geschält und wird erst dann zubereitet.

Vorteile von parboiled Reis:

  • kürzere Kochzeit
  • enthält mehr Vitamine (inklusive Thiamin)

Der Proteingehalt von parboiled Reis ist etwas geringer. Zudem weist er eine gelbliche Färbung auf.

Aufgrund der Wichtigkeit von Thiamin - insbesondere in Bezug auf die Glucoseverwertung - wird es jeder Getreidebeikost für Säuglinge und Kinder (bis zu einer Altersgrenze von 3 Jahren) zugesetzt.

Die Vitaminierung von Säuglingsnahrung - vor allem bei Bio-Produkten - wird kontrovers diskutiert.


Quellen

Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Referenzwerte Thiamin
aid infodienst. Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz e. V.: Vitamine und Mineralstoffe. Eine starke Truppe.
Burgerstein, Uli P./ Schurgast, Hugo/ Zimmermann, Michael: Handbuch Nährstoffe
Hahn, Andreas/ Ströhle, Alexander/ Wolters, Maike: Ernährung. Physiologische Grundlagen, Prävention, Therapie.
Biesalski, Hans Konrad/ Grimm, Peter: Taschenatlas Ernährung
Kühne, Petra: Vitamine. Wirkstoffe des Lebendigen.
Kofrányi, Ernst/ Wirths, Willi: Einführung in die Ernährungslehre.


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