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Folsäure – die wichtigsten Fakten

  • Folsäure bezeichnet den synthetisch hergestellten Stoff, Folat hingegen bezeichnet die natürlich vorkommende Stoffgruppe.
  • Sie ist essentiell an verschiedenen Stoffwechselprozessen, vor allem an der Zellteilung und -bildung, beteiligt.
  • Während und vor einer Schwangerschaft ist Folsäure besonders wichtig. Ein Mangel kann schwerwiegende Fehlbildungen beim Kind hervorrufen.

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Folsäure - Was ist das?

Fragt man danach, was der allgemein gebräuchliche Begriff Folsäure überhaupt bezeichnet, sollte man zunächst beachten, dass es sich bei Folsäure eigentlich nur um eine Unterkategorie handelt. Der Begriff Folsäure wird nur zur Bezeichnung des synthetisch hergestellten Stoffes verwendet. Alle anderen wirkungsgleichen, aber natürlich vorkommenden Stoffverbindungen bezeichnet man als Folat.

Der Name Folsäure bzw. Folat wurde vom lateinischen "folium" (= Blatt) abgeleitet und weist hierdurch bereits darauf hin, in welcher Quelle der Stoff zuerst entdeckt wurde bzw. in welchen Quellen er auch heute noch hauptsächlich zu finden ist.

Der Stoff wurde 1941 als letztes Vitamin entdeckt und mit der B-Vitamingruppe in Zusammenhang gebracht, weshalb es lange auch als Vitamin B9, B11 oder Vitamin M bezeichnet wurde.

Die Struktur von Folsäure lässt sich als ein System aus Ringen beschreiben, an das bis zu acht Glutamatmoleküle (Glutamat = Aminosäure) angehängt sind. Ist nur ein Molekül angehängt, spricht man von Monoglutamaten, bei mehreren angehängten Glutamatmolekülen wiederum handelt es sich um Polyglutamate. Beide Strukturformen sind in der Natur vorzufinden, wobei das Vorkommen in Form von Polyglutamaten überwiegt. Der Oberbegriff für Mono- und Polygluatamte ist Nahrungsfolat.

Umso mehr Glutamatmoleküle der Ringstruktur anhaften, desto schlechter kann die Folsäure im Darm resorbiert werden, denn hierfür muss zunächst die Umwandlung in die Monoglutamatform erfolgen. Zum Vergleich: Reine, synthetische Folsäure kann bis zu 90 % in den Stoffwechsel eingehen, Polyglutamate hingegen werden nur zu 50 % resorbiert.

Folsäure und Schwangerschaft – was bei einem Kinderwunschzu beachten ist

Frauen, die beabsichtigen schwanger zu werden, sollten gemäß den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. spätestens vier Wochen vor Beginn der Schwangerschaft sowie während des ersten Schwangerschaftsdrittels ihre folatreiche Ernährung durch die Einnahme von Folsäure-Präparaten (400 µg Folsäure) ergänzen.

Die empfohlene Verdopplung der Zufuhrmenge liegt darin begründet, dass neben den üblichen Stoffwechselprozessen, weitere Prozesse stattfinden, für die mehr Folsäure essentiell benötigt wird: Nicht nur der Körper der Mutter nimmt an Form zu (Plazenta, Brustgewebe usw.), sondern auch die DNA des Fetus muss gebildet werden.

Heute gilt es als erwiesen, dass eine vermehrte Folsäurezufuhr vor und in der Schwangerschaft das Risiko für die Entstehung von Neuralrohrdefekten beim Neugeborenen minimieren kann.

Unter einem Neuralrohrdefekt versteht man angeborene Fehlbildungen des Kindes, die entstehen, wenn die Neuralrohrentwicklung zwischen dem 21. und 28. Schwangerschaftstag gestört wird. Diese Störung kann unter anderem dann auftreten, wenn im entsprechenden Zeitraum zu wenig Folsäure aufgenommen wird.

Aus dem Neuralrohr des Fetus entwickelt sich während der Schwangerschaft Rückenmark und Gehirn des Kindes. Eine Störung dieses Prozesses kann nicht nur zu Fehlgeburten, sondern auch zu Fehlbildungen (Offener Rücken bzw. Spina bifida, fehlendes/degeneriertes Gehirn) führen.

  • Nicht nur bei einer geplanten Schwangerschaft, sondern bei allen Frauen, die schwanger werden könnten, gilt es, den erhöhten Folsäurebedarf zu beachtet. Eine prophylaktische Einnahme von entsprechenden Folsäurepräparaten wird von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. dringend empfohlen.

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Folsäure in Lebensmitteln

Folate kommen sowohl in pflanzlichen als auch in tierischen Lebensmitteln vor. Besonders viel Folat findet sich in Blattgewächsen wie Spinat, allen anderen Salat- sowie verschiedenen Kohlarten (beispielsweise Feldsalat und Rosenkohl). Darüber hinaus dienen weitere Gemüse sowie Vollkornprodukte, Milch(-produkte), Eier und Fisch- bzw. Fleischwaren als Quelle für Folat.

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Lebensmittel mit viel Folat (Gehalt in µg/100 g verzehrbarem Anteil):

Hoch 200
Pflanzliche Quellen
Tierische Quellen
  • Leber

Lebensmittel mit mittlerem Folat-Gehalt (Gehalt in µg/100 g verzehrbarem Anteil):

Mittel 100-200
Pflanzliche Quellen
Tierische Quellen
  • Niere

Lebensmittel mit wenig Folat (Gehalt in µg/100 g verzehrbarem Anteil):

Gering 100
Pflanzliche Quellen
Tierische Quellen

Bei der Zubereitung und Lagerung von folathaltigen Lebensmitteln sollte beachtet werden, dass der Stoff sowohl oxidations- als auch hitze- und lichtempfindlich ist. Zudem ist er wasserlöslich.

Um die Wirksamkeitseinbußen so gering wie möglich zu halten, sollten hohe Zubereitungstemperaturen, lange Lagerungszeiten, sowie die unverpackte Lagerung an hellen Orten vermieden werden.

  • Bei der Zubereitung bzw. der Verarbeitung von Lebensmitteln, die Folat enthalten, gehen im Durchschnitt 35-70 % des Stoffes verloren. Es empfiehlt sich also täglich auch unverarbeitete oder rohe Lebensmittel wie Salat und Rohkost zu verzehren.

Folsäure, die synthetisch hergestellt wird, hat eine deutlich höhere Wirkungsquote als natürliches Folat, sodass sie verschiedenen Produkten in Ländern wie den USA, Kanada oder auch Australien und Großbritannien bereits als Nahrungsergänzungsmittel zugesetzt wird. Auch in Deutschland wird diskutiert, ob zur flächendeckenden Verbesserung der Folsäureversorgung, bestimmte Mehltypen – diejenigen, die vorrangig in der Bäckerindustrie verwendet werden – mit dem synthetischen Stoff angereichert werden sollen.

Da allerdings auch eine vielseitige Mischkost, die die Zufuhr von Rohkost und Salat nicht auslässt, genügt, um den Folsäurebedarf ausreichend zu decken, konnte sich dieser Vorschlag bislang nicht durchsetzen. Außerdem stehen mit Folsäure angereicherte Lebensmittel in Verdacht, bei sich nicht mehr im Wachstum befindenden Menschen die Krebsentstehung zu fördern.

Folsäure Tagesbedarf

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. empfiehlt für die tägliche Folatversorgung eine Zufuhrmenge von 300 µg. Schwangere und stillende Frauen haben einen erhöhten Tagesbedarf, damit bestimmte Entwicklungsschäden des Kindes verhindert werden können.

PersonenTagesbedarf Folat
Säuglinge60-80 µg
Kinder120-240 µg
Erwachsene300 µg
Schwangere550 µg
Stillende450 µg
(+ 400 µg synthetische Folsäure)

Folsäure bzw. Folat bezeichnet nicht einen einzigen Stoff, sondern umfasst eine Gruppe von vitaminwirksamen Stoffen, die im Darm unterschiedlich gut resorbiert werden, sodass die Wirkungsquote jeweils differiert. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, wird für Gehaltsangaben in Lebensmitteln auf den Begriff Folat-Äquivalent (FÄ) zurückgegriffen.

Als Umrechnungsgrundlage dient folgende Formel:

1 µg Folat-Äquivalent = 1 µg Nahrungsfolat (Mono- und Polyglutamate) = 0,5 µg synthetische Folsäure

  • Säuglinge: 60-80 µg
  • Kinder: 120-240 µg
  • Erwachsene: 300 µg
  • Schwangere: 550 µg
  • Stillende: 450 µg (+ 400 µg synthetische Folsäure)

Folsäure Überdosierung

Erwachsene sollten täglich mindestens 300 µg, jedoch nicht mehr als 1000 µg Folsäure zu sich nehmen.

Eine ausgewogene mischköstliche Ernährungsweise, bei der darauf geachtet wird, auch rohe und wenig verarbeitete Produkte (Salate, wenig erhitztes Gemüse) zu verwenden, sollte für gesunde Erwachsene im Regelfall genügen, um diese Referenzwerte einzuhalten. Eine Ergänzung durch entsprechende synthetische Präparate ist daher nicht per se erforderlich.

Welche Aufgabe hat Folsäure?

Die wasserlösliche Folsäure ist ein essentielles Vitamin für den menschlichen Organismus. Sie wird bei verschiedenen Transfer-Reaktionen benötigt.

Die Wirkform von Folsäure nennt man Tetrahydrofolsäure. In dieser Form wirkt sie als Coenzym bei der Übertragung von verschiedenen Kohlenstoffeinheiten (beispielsweise Methyl- oder Formylgruppen) mit. So ist sie zum Beispiel beim Homocystein-, Histidin-, Purin- und Serinstoffwechsel beteiligt.

Folsäure ist essentiell für:

  • Zellteilung und -neubildung
  • Eiweißstoffwechsel
  • Erbstoffwechsel (DNA- und RNA-Synthese)
  • Energiestoffwechsel (Wachstum)

Folsäure-Mangel – Symptome und Folgen

Nicht nur vor bzw. in einer Schwangerschaft sollte auf eine ausreichende Folsäureversorgung geachtet werden. Auch im alltäglichen Leben stellt die Folsäurebedarfsdeckung einen wichtigen Gesundheitsaspekt dar, denn den meisten Menschen gelingt es heutzutage nicht, die empfohlenen 300 µg Folat über ihre Nahrung aufzunehmen.

Ein Mangel lässt sich vor allem anhand von Störungen, die die roten und weißen Blutzellen sowie die Darm- oder Urogenitalschleimhäute betreffen, erkennen.

Mögliche Folgen einer Folsäure-Unterversorgung:

  • megaloblastische (perniziöse) Anämie
  • Arteriosklerose
  • Neuralrohrdefekte, Fehlgeburten, kongenitale Missbildungen, Entwicklungsstörungen (bei Mangel vor und in der Schwangerschaft)

Über die oben genannten Folgeerkrankungen hinaus wird bezüglich weiterer Krankheitsbilder diskutiert, die mit einem Folsäuremangel zusammenhängen könnten. So wird sowohl bei Darmkrebs- und Parkinsonpatienten als auch bei Menschen, die unter bestimmtn kognitiven Beeinträchtigungen sowie depressiven Verstimmungen leiden, ein Zusamenhang mit niedrigen Folatwerten nicht ausgeschlossen.

  • Bei der Folsäure-Bedarfsdeckung sollte beachtet werden, dass die Einnahme der Anti-Baby-Pille, Antiobiotika oder Antikrampfmitteln sowie Alkohol- und Nikotinkonsum die Folsäureverwertung beeinträchtigt werden kann.

Häufig gestellte Fragen

Folsäure und Vitamin B12 bilden (gemeinsam mit dem Spurenelement Eisen) ein wichtiges Funktionsgefüge bei bestimmten Stoffwechselprozessen.

Werden Folsäure-Präparate eingenommen, kann diese erhöhte Zufuhr des einen Stoffes bewirken, dass ein Mangel an dem zweiten Stoff (Vitamin B12) verschleiert wird.

Wird megaloblastische (perniziöse) Anämie diagnostiziert, gilt es also zunächst zu prüfen, ob diese aufgrund eines Folat- oder aber aufgrund eines B12-Mangels entstanden ist, um jeweils entsprechende Behandlungsmethoden wählen zu können.

Handelt es sich um einen Folsäuremangel, kann eine erhöhte Zufuhrmenge des Stoffes, die Symptome korrigieren. Ein B12-Mangel hingegen kann nicht durch die Mehrzuführung behoben werden. Es ist sogar möglich, dass sie zu einer Intensivierung der Probleme führt.

Damit Nahrungsfolat im Darm resorbiert werden kann, müssen Polyglutamate zunächst in Monoglutamate umgewandelt werden.

Durch eine mukosaständige und/oder im Darmsekret enthaltene γ-Glutamylcarboxy-Peptidase wird Polyglutamat folglich zu Monoglutamat abgebaut.

Das entstandende oder bereits vorhandende Monoglutamat gelangt anschließend über bestimmte Transportformen, also die lockere Bindung an verschiedene Plasmaproteine, in die Mukosazelle.

Mithilfe eines bestimmten Folatbindungsproteins gelangt oxidiertes Folat zur Leber, wo sie letztlich in ihre igentliche Wirkungsform Tetrahydrofolsäure umgewandelt wird.


Quellen

Kofráni, Ernst/ Wirths, Willi: Einführung in die Ernährungslehre
Biesalski, Hans Konrad/Grimm, Peter: Taschenatlas Ernährung
Elmafda, Ibrahim/ Aign, Waltraude/ Muskat, Erich/ Fritzsche, Doris: Die große GU Nährwert Kalorien Tabelle.
Kühne, Petra: Vitamine. Wirkstoffe des Lebendigen.
Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Referenzwerte


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